Nachhaltigkeit

Dieser Begriff ist uns momentan allgegewärtig. Wir versuchen es so gut es geht zu machen und dabei müssen wir immer wieder feststellen – es ist garnicht so einfach. Manchmal ist auch die vermutlich gute Idee doch garnicht so nachhaltig wie gedacht.

Der Auslöser

Die Mutter einer Freundin bot mir im Herbst 2016 an die CHANGTANGI Schals mal auf Schadstoffe zu prüfen. Ich nahm das Angebot an und wollte die Ergebnisse nutzen, um für die gute Qualität unserer Schals zu werben. Pustekuchen – Eine Farbe (Rot) überschritt die Grenzwerte und ich musste sie sofort zurückrufen. Auch wenn die anderen Ergebnisse tadellos waren, allarmierte mich die Situation und ich hinterfragte grundsätzlich unser Färbeverfahren in Indien. Bei meiner nächsten Reise zu den Herstellern besuchte ich dann noch einmal unsere Färberei in Delhi. Dort versicherten mir unsere Partner zwar, dass es sich um ein einmaligen Fehler gehandelt habe und soetwas niewieder vorkommen würde, trotzdem erschien mir der gesamte chemische Färbeprozeß suspekt.

Zeit für Veränderung

Ich möchte, dass CHANGTANGI Schals ein großes + für die Welt sind und weder der Natur noch den Menschen schaden (das bedingt sich ja bekanntlicherweise)… Deshalb musste eine Veränderung stattfinden. Ich hatte schon mehrmals von Pflanzenfarben gehört und war mir sicher, dass man auf Chemikalien verzichten könnte und die Schals mit der Kraft der Natur färben könnte.

Vegetable Colours

Ich nahm Kontakt mit einer Färberei in Nordindien auf, die schon seit mehreren Jahrzenten ausschließlich mit pflanzlichen Pigmenten Baumwolle und Strickgarne färbt. Bei meinem Besuch testeten wir gleich die Färbung der CHANGTANGI Schals und ich war begeistert von dem schönen Farbton. Als ich die Proben Karma in Ladakh präsentierte war er sehr skeptisch – da die Schals in einigen Farben beim Waschen ausbluteten… ich wusch die Schals einfach so oft bis keine Farbe mehr kam und war dann mit dem Ergebniss zufrieden.

Radikal ins Risiko

Die aktuelle Bestellung von Uniqat Essen änderte ich sofort ab in Pflanzenfarben…ich wollte die Nachhaltigkeit um jeden Preis. Doch die Färberei im Indien war nicht so schnell wie erhofft und es gab auch noch weitere Interne Probleme mit Papieren und Genehmigungen (über die ich ein anderes Mal berichten werde). Deshalb wurden die große Lieferung dann doch mit herkömmlichen Textilfarben in Delhi gefärbt. Die mit pflanzenfarben gefärbten Schals wurden dann einen Monat später geliefert – pünktlich zum Weihnachtsmarktgeschäft. Sie waren sehr begehrt, auch wenn viele durch das aufwendige Färbeverfahren Fehler hatten. Einige der Schals gibt es noch heute in unserem Shop.

180° Wende

Die Farben Rot und Indigoblau machten jedoch Probleme. Sie fäbten ab z.B. auf weißen Blusen… Ich bin allen Kunden zutiefst dankbar, dass sie mir diese Unannehmlichkeiten verziehen haben. Zusätzlich hatten zahlreiche Schals Flecken – die Färber aus Indien konnten diese leider nicht verhindern. Mit diesen Erfahrungswerten konnten ich nicht weiter auf das Pflanzenfarbenverfahren setzen. Auch einige kritische Stimmen meiner Kunden gegenüber dem erhöhten Wasserverbrauch von Pflanzenfarbenfärbungen, sowie den eingesetzen natürlichen Chemikalien, wie Alaun, waren Auslöser für das weitere Suche nach einem passenden Färbeverfahren.

Lösung 1: Garnicht erst färben

Die Reine Wolle der Changthangiziegen benötigt nur eine einfache Waschung. Die verschiedenen nätürlichen Farbtöne der Wolle sind bereits sehr elegant.

Lösung 2: Färben in Europa

Für viele von uns spielt die Farbe jedoch eine wichtige Rolle und einigen steht weder wollweiß, noch karamell, noch braun. Deshalb ist es sinnvoll weiterhin die CHANGTANGI Cashmere Schals in einer großen Farbvielfalt anzubieten. Hier in Deutschland wird unser Abwasser so umfangreich geklärt, dass sogar wieder Lachse und andere sensible Lebewesen in unseren Flüssen sich ansiedeln. Obwohl immernoch eine vielzahl stark ätzender Chemikalien (für Küche, Bad und Rohr) im eigenen Haushalt eingesetzt werden. Das bedeutet, dass die Mikrobakterien in den Klärwerken gute Arbeit leisten. Zusätzlich steht uns hier in Deutschland, außer in den heißen Sommermonaten, genügend Wasser zu Verfügung.

Das richtige Färbeverfahren

Jetzt färben wir mit Säurefarben. Es reichen 2 mg aus um einen kleinen CHANGTANGI Cashmere Schal zu färben. Zum beizen der Schals wird Apfelessig verwendet. Einfachen kann es garnicht gehen. Das Färbeergebniss ist sehr gut und so kann ich der Nachfrage entsprechend genau die bestellten Schals in genau den richtigen Farben färben.

Einen herzlichen Dank an Bernadette und Frank!

Bei Bernadette und Frank konnte ich Testen, ob die CHANGTANGI Cashmere Schals sich mit den Säurefarben färben lassen würden. Das Ergebniss war zufriedenstellen. Das Verfahren muss insgesamt jedoch noch optimiert werden, um eine gleichmäßige Farbverteilung zu erzielen.